Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 12. April 2019

Das Literarische Quartett: Die Bücher der Sendung am 12. April 2019

Im Gegensatz zur letzten Ausgabe, in der fast nur Bücher besprochen wurden, die sowieso in aller Munde waren, finde ich die Auswahl der Romane der aktuellen Sendung wesentlich interessanter.
Gast der Sendung ist die Literaturkritikerin Sandra Kegel, die für die FAZ schreibt und als Jurymitglied diverser Literaturpreise (u.a. Preis der Leipziger Buchmesse) tätig ist.

Das sind die Bücher der Sendung:

César Aira: “Was habe ich gelacht”

In diesem Text erzählt uns der argentinische Schriftsteller unter anderem davon, wie er sich fühlt, wenn Leser ihm sagen, dass sie bei der Lektüre seiner Romane so gelacht haben.
Eigentlich ist das doch etwas Positives, über das man sich freuen kann. Aber wie reagiert man, wenn man jahrelang nicht anderes hört, als diesen Satz?
Viel mehr konnte ich der Leseprobe nicht entnehmen, doch das was ich gelesen habe reicht, um zu sagen: Mehr davon!

César Aira übersetzte Stephen King und Franz Kafka, bevor er selbst Bücher zu schreiben begann. Seit 1992 veröffentlicht er zwei bis vier Titel pro Jahr, die ca. einen Umfang von 100 Seiten haben. Diese Kurzromane sind inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden.
Die Süddeutsche Zeitung äußerte sich begeistert über seine aberwitzigen Einfälle, die NZZ beschreibt in als “Agent der Leichtigkeit”.

Mir war César Aira bisher kein Begriff, doch da habe ich anscheinend etwas verpasst. Ich nehme an, dass dieses Buch von Sandra Kegel vorgestellt wird, da ich mir weder Christine Westermann, noch Thea Dorn, noch Volker Weidermann in Verbindung mit diesem Werk vorstellen kann . Aber das ist nur so ein Gefühl.
Danke jedenfalls für diesen Tipp.

» Die Süddeutsche Zeitung über César Aira

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Yishai Sarid: “Monster”

Er ist Tourguide in Treblinka und gerade ist die Lage eskaliert. Er hat einen Dokumentarfilmer niedergeschlagen.
Wie es dazu kommen konnte, können wir seinem Bericht nachlesen, welchen an seinen Chef (den Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem) schreibt.
Er erzählt darin, wie er jahrelang unter anderem Schülergruppen durch Treblinka führt und wie er beobachtet, dass es einigen Menschen (Ministern zum Beispiel) nicht darum geht, sich die Vergangenheit zu vergegenwärtigen, sondern im Besuch der Gedenkstätte einen Nutzen für sich selbst zu finden.

Yishai Sarid (einer der bekanntesten Schriftsteller Israels) war beim Nachrichtendienst der israelischen Armee, studierte danach Jura und praktiziert als Rechtsanwalt.
Im Jahr 2000 veröffentlichte er seinen ersten Roman. 2009 folgte der Politthriller “Limassol”, in dem es um einen Geheimdienstler geht, der den Kontakt zu einer Frau im Gaza-Streifen herstellen soll, zumal ihr Sohn des Terrorismus verdächtigt wird.
Doch schon bald gerät der Ermittler zwischen die Fronten und weiß nicht mehr, was falsch und was richtig ist. (Dieses Buch ist nur noch als eBook erhältlich.)
2013 erschien “Alles andere als ein Kinderspiel”. Hier geht es um eine Kindergärtnerin, die von ihrem Grundstück vertrieben werden soll, zumal der Architekt mit diesem andere Pläne hat.

Sarids neuester Roman “Monster” setzt sich mit dem Hier und Jetzt auseinander. Damit, wie der Holocaust in der heutigen Gesellschaft verarbeitet wird.
Es ist ein Roman über die Erinnerungskultur, der bestehende Denkmuster infrage stellt und der mich sehr interessiert.
Eine meiner Kolleginnen hat “Monster” bereits gelesen und ihn mir dringend empfohlen.

Ich denke, dass Christine Westermann dieses Buch für das Literarische Quartett ausgesucht hat.

Marina von literaturleuchtet und die Süddeutsche Zeitung haben diesen Roman bereits besprochen.

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Saša Stanišić: “Herkunft”

Als Saša Stanišić bei der Ausländerbehörde einen handgeschriebenen Lebenslauf einreichen soll, damit er die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen kann, merkt er schnell, dass die geforderten kurzen Stichpunkte nicht sonderlich aussagekräftig sind.
Um sein Leben zu schildern, braucht es mehr, als eine Tabelle.
So beginnt er zu schreiben. Herausgekommen ist “Herkunft”.

Er erzählt unter anderem von seiner Kindheit in einer kleinen Stadt an der Drina, einer Großmutter die das “Alphabet der Nierenbohnen” beherrscht und ihm rät, sich immer an sein Wort zu halten.
Oder auch von der Zeit, als er seine Großmutter besucht, um sich von seiner ersten Lesereise zu erholen und ihr ein Exemplar seines Erstlings “Wie der Soldat das Grammofon repariert” mitbringt, das sie allerdings nicht lesen kann, da es in deutscher Sprache ist.
Sie drapiert es schließlich auf einer Vase. Wie ein Museumsexponat auf einem Sockel.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Werk von Saša Stanišić im Literarischen Quartett besprochen wird. Seine Geschichtenband “Fallensteller” wurde 2016 (zu diesem Zeitpunkt war Maxim Biller noch Mitglied des Quartetts) von allen Kritikern gelobt.

Aufgrund der Besetzung Visegrads floh Saša Stanišić mit 14 Jahren mit seinen Eltern zu einem Verwandten nach Heidelberg. Nach dem Abitur studierte er Deutsch als Fremdsprache und Slawistik.
2004/05 wurde er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufgenommen und nahm mit einem Text über den Krieg in Ex-Jugoslawien am Ingeborg-Bachmann-Preis teil.

Sein 2006 erschienener Debütroman “Wie der Soldat das Grammofon repariert” (in dem es um Aleksander geht, der mit seinen Eltern vor dem Krieg in Bosnien nach Deutschland flieht und sich dort an die irrwitzigen Geschichten aus seiner Heimat erinnert), wurde in dreißig Sprachen übersetzt und steht seit dem Erscheinen der Taschenbuchausgabe ungelesen in meinem Regal. Wie so viele andere Bücher.
Irgendwann, werde ich diesen Roman bestimmt lesen, denn gerade habe ich einmal hinein geblickt und schon die ersten Seiten klingen wirklich gut.
2006 stand dieses Werk auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.
Weitere Auszeichnungen folgten.

Es ist nicht verwunderlich, dass Stanišić zweiter Roman “Vor dem Fest” ebenfalls vielfach ausgezeichnet worden ist. Unter anderen mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2014.
Bei “Herkunft” wird das nicht anders sein. Ich gehe davon aus, dass ihm ein Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 sicher ist.

Da Volker Weidermann (Zitat: “Ein Superbuch!”), als auch Sandra Kegel Stanišić “Herkunft” bereits besprochen haben, bin ich sicher, dass einer von ihnen diesen Roman für das Literarische Quartett ausgesucht hat.
Ich tippe allerdings eher auf Volker Weidermann.

Die Zeit und der Tagesspiegel und Bookster HRO haben “Herkunft” ebenfalls besprochen.

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Anke Stelling: “Schäfchen im Trockenen”

Dass Freundschaft beim Geld aufhört, hat Resi gerade erfahren. Die Wohnung, welche einem ihrer Freunde gehört, ist ihr gerade von eben jenem gekündigt worden.
Frank hat also aussortiert. Klar, die alte Clique ist nicht mehr eng befreundet, man hat kaum mehr Kontakt, aber dem anderen die Bleibe wegnehmen? Einfach so eine sechsköpfige Familie rausschmeißen? Grundlos?
Vielleicht nicht ganz grundlos. Vielleicht ist Frank beleidigt. Das ist nicht auszuschließen, denn Resi ist Schriftstellerin und hat einen Roman veröffentlicht, in dem sich so manche Personen wiedererkannt haben….

Gleich vorneweg: Anke Stelling ist eine Autorin, deren Werke mich begeistern.
Ihren Roman “Bodentiefe Fenster”, der in einem ähnlichen Milieu (Berlin, Prenzlauer Berg) wie “Schäfchen im Trockenen” spielt, fand ich großartig.

Ihr zweites Buch “Fürsorge” habe ich ebenfalls mit Faszination gelesen.
Es ist von der Konstellation der Figuren her drastischer, denn es geht um eine Balletttänzerin, die ihre Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden muss. Ihren Sohn hat sie aus Karrieregründen bei ihrer Mutter aufwachsen lassen.
Nun begegnen sie sich wieder und aus der nicht vorhandenen Mutter-Sohn-Beziehung wird körperliches Verlangen.

Auch in ihrem dritten Buch, dem Kinderbuch “Erna und die drei Wahrheiten”, bleibt Anke Stelling ihrem Milieu treu, denn “Erna” spielt in einem Wohnprojekt in Berlin, in dem alle gleichgestellt sein sollen. Was natürlich nicht der Fall ist.
Ein großartiges Buch, das ich auch allen Erwachsenen ans Herz lege.

Für “Schäfchen im Trockenen” hat Anke Stelling nun unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 erhalten.
Ich habe dieses Buch vor einiger Zeit angelesen, kam aber nicht mit der gewählten Adressatin der Protagonistin zurecht. Diese schreibt sozusagen einen langen Brief an ihre 14jährige Tochter, die hoffentlich nicht die Fehler ihrer Mutter wiederholen wird.
Ich war selbst davon überrascht, dass ich dieses Werk nicht in einem Rutsch durchgelesen habe, wie es bei Stellings anderen Büchern der Fall gewesen ist. Meins war es nicht, aber das heißt ja nichts.
Begeisterte Stimmen gibt es zu zuhauf, wie zum Beispiel in der Zeit, bei lobedentag und poesierausch.

Wer dieses Buch im Literarischen Quartett vorstellen wird?
Ich könnte mir Thea Dorn vorstellen.
Am Freitag, den 12.4.2014 um 23:00 wissen wir mehr.

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