Das Literarische Quartett – Die Bücher der Sendung am 14. Juni 2019

Das Literarische Quartett – Die Bücher der Sendung am 14. Juni 2019

In der neuen Ausgabe des Literarischen Quartetts wird der Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff zu Gast sein, der mich mit seinen Romanen “Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke” und “Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war” sehr begeistert und zum Lachen gebracht hat.

Über diese vier Titel wird in der Sendung gesprochen werden:

Colson Whitehead: „Die Nickel Boys“

Elwood scheint es geschafft zu haben. Er, der Martin Luther King sehr bewundert, hat einen Platz am College bekommen. Das ist nicht selbstverständlich, denn er lebt in einem schwarzen Ghetto in Tallahassee und wir befinden uns in den 60er Jahren in Florida.

Doch dann passiert es: Durch einen wirklich dummen Zufall, sitzt er eines Tages in einem Auto, das als gestohlen gemeldet ist. Elwood wird verhaftet.
Ohne jegliches Gerichtsverfahren kommt er in die Besserungsanstalt “Nickel”.
Das Leben dort ist alles andere als schön, denn die dort lebenden Jungen werden missbraucht, geschlagen und psychisch gequält…

Für seinen Roman “Underground Railroad”, in welchem es um die Sklaverei in Amerika geht, bekam Colson Whitehead im Jahr 2017 den Pulitzer Preis.
Vollkommen zu Recht, wie ich finde, denn dieses Buch hat mich sehr bewegt und beeindruckt.
Barack Obama erklärte “Underground Railroad” zum absoluten “Must-Read”.

Whitehead selbst sagt in einem Interview, dass er normalerweise immer abwechselnd ein humorvolles und ein ernstes Buch schreibt.
Nach “Underground Railroad” hätte also theoretisch ein leichterer Roman folgen müssen, doch nun hat Whitehead diese Regel gebrochen. Auch sein neuer Roman “Die Nickel Boys” beschäftigt sich mit Rassismus und dem Trauma der Geschichte Amerikas.

Für die Besserungsanstalt “Nickel” gibt es ein reales Vorbild: Die “Florida School for Boys” (oder auch “Dozier School for Boys”). Dies war eine Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche, die von 1900-2011 bestand und 2010 durch schwere Misshandlungsfälle in die Presse gekommen ist.

Das klingt alleine schon vom Thema her sehr interessant und da ich weiß, wie packend Colson Whitehead schreiben und dem Leser dadurch ein ernstes Thema näherbringen kann, werde ich diesen Roman wohl demnächst lesen.
Vielleicht schaffe ich es ja vor der Ausstrahlung des Quartetts.
Auf meinem Nachttisch liegt “Die Nickel Boys” bereits…

Ich könnte mir vorstellen, dass Volker Weidermann dieses Buch für die Sendung ausgesucht hat.

» zur Leseprobe & zum Interview mit Colson Whitehead

Die ZEIT und Deutschlandfunk Kultur haben „Die Nickel Boys“ bereits besprochen.

Jochen Schmidt: “Ein Auftrag für Otto Kwant”

Otto Kwant hat zwar einiges von seinem Leben erwartet, aber niemals, dass er mit DEM Stararchitekten schlechthin, dem Meister aller Meister Holm Löb nach Urfustan reisen darf.
Wahnsinn!

Urfustan selbst ist allerdings schon ein ziemliches Abenteuer, denn es handelt sich hierbei um einen postsowjetischen Staat, der von einem autoritären Staatschef regiert wird.
Das Leben dort ist anders, als bei Otto zu Hause und so manche Regel ergibt keinen Sinn und auch die Bräuche sind mehr als seltsam.

Unter normalen Umständen wäre diese Reise schon außergewöhnlich, doch plötzlich ist Löb verschwunden.
Otto soll ihn ersetzen und an seiner statt den “Palast der Demokratie” errichten.
Theoretisch könnte Otto das vielleicht meistern, aber nicht in Urfustan. Denn hier werden ihm keine Steine in den Weg gelegt, sondern wahre Felsbrocken.
Die Situation wird immer bizarrer, die Sanktionen häufen sich und Otto möchte nur noch eins: Weg hier!
Doch das ist, wie könnte es anders sein, nicht so einfach….

Jochen Schmidt habe ich vor gut 15 Jahren auf einer Lesebühne in Berlin erleben dürfen und war von seinen Texten sehr begeistert.
Während meiner Ausbildung stieß ich dann auf seine Kurzgeschichtensammlung “Meine wichtigsten Körperfunktionen”, die ich so toll fand, dass ich sie für unseren Weihnachtsempfehlungsprospekt aussuchte.
Danach las ich “Schneckenmühle”, einen Roman, in welchem uns Schmidt in lakonischem Tonfall von Jens erzählt, der die letzten Tage der DDR in einem Ferienlager erlebt.
Es war eines der ersten Bücher, die ich hier im Blog besprochen habe.

Jetzt, fünf Jahre später, stoße ich erneut auf Jochen Schmidt und freue mich sehr darüber.
Denn ohne die Auswahl von “Ein Auftrag für Otto Kwant” für das Literarische Quartett, hätte ich dieses Buch wohl verpasst.
Ich glaube, ich komme um diese Lektüre nicht herum und könnte mir vorstellen, dass Joachim Meyerhoff dieses Buch ausgesucht hat. Zum Tonfall und Humor seiner eigenen Werke könnte es passen.

» zur Leseprobe

Der Spiegel Hat dieses Buch bereits besprochen.

Alina Bronsky: “Der Zopf meiner Großmutter”

Man erzählt sich, dass Max´Großmutter früher eine berühmte Tänzerin gewesen ist. Heute tanzt sie sie nicht mehr, sondern führt sozusagen Regie. In ihrer derzeitigen Unterkunft, einem Flüchtlingswohnheim.
Sie ist so damit beschäftigt, gegen zum Beispiel das deutsche Schulsystem und ihre Mitmenschen zu wettern, dass sie gar nicht mitbekommt, dass sich ihr sonst so kontrollierter Ehemann verliebt hat.
Mittendrin steht Max, der irgendwie zum Vermittler geworden ist und der noch nicht ahnt, was da alles auf ihn zukommen wird….

Ich habe bereits einige Bücher der Autorin gelesen: “Scherbenpark”, “Nenn mich einfach Superheld”, “Baba Dunjas letzte Liebe” und “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche”.
Mit den beiden letztgenannten Titeln war Alina Bronsky in den Jahren 2010 bzw. 2015 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Gelesen habe ich alle vier Titel sehr gerne, doch “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche” hat mir so gut gefallen, dass ich es zu meinen ewigen Lieblingsbüchern zähle.
In diesem Roman geht es um Rosalinda, die plötzlich feststellen muss, dass ihre Tochter schwanger ist und sie zur Großmutter machen wird.
Dafür fühlt sich Rosalinda allerdings viel zu jung. Das Kind muss weg!
Wie ihre Tochter zu diesem gekommen ist, ist Rosalinda sowieso schleierhaft.
Doch der Plan funktioniert nicht und schon bald hat Rosalinda eine Enkeltochter…

Ein wirklich witziger, böser Roman mit einer dreisten, selbstverliebten Protagonistin, der mir unglaublich viel Spaß gemacht hat.
Ich hoffe sehr, dass Max´Großmutter in Alina Bronskys neuem Buch ihr ein wenig ähnelt und glaube, dass Christine Westermann diesen Roman für die Sendung ausgesucht hat.

» zur Leseprobe

Missmesmerized und Der Tagesspiegel haben dieses Buch bereits besprochen.

Raymond Queneau: “Zazie in der Metro”

Da Zazies Mutter mit ihrem Liebhaber alleine sein möchte, schickt sie ihre altkluge, freche und mit Begeisterung fluchende Tochter nach Paris zu ihrem Onkel.
Dort gerät sie in einen Strudel absurder Ereignisse, lernt unter anderem den Papagei Laverdure kennen, der alles (wirklich alles) mit dem Satz „Du quasselst, du quasselst, das ist alles, was du kannst“ kommentiert und hat nur einen Wunsch: Mit der Metro zu fahren.
Doch ausgerechnet heute ist Streik in Paris…

“Zazie in Metro” wurde erstmals 1959 veröffentlicht und war ein absoluter Bestseller. Es ist kein Roman mit einer klassischen Handlung, sondern vielmehr ein Buch, das durch Wortwitz, surrealistische Elemente und Wortschöpfungen, die aus der Umgangssprache kreiert worden sind, besticht.

Die vielen Anspielungen (auf zum Beispiel Sartre und Shakespeare) und sprachlichen Provokationen machen das Übersetzen allerdings nicht einfach. Die Übersetzung von Eugen Helmlés ist umstritten.
Jetzt hat sich der vielfach ausgezeichnete Übersetzer, Autor und Musiker Frank Heibert an eine Neuübersetzung gewagt.

Es ist nicht das erste Mal, dass er sich mit Raymond Queneau beschäftigt. 2017 erhielt er den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW, (gemeinsam mit Hinrich Schmidt-Henkel), für die Neuübersetzung von Raymond Queneaus “Stilübungen”.
Neben den Werken von zum Beispiel Don DeLillo, Marie Darrieussecq, Richard Ford und Yasmina Reza, hat er auch George Saunders sprachgewaltigen, außergewöhnlichen Roman “Lincoln im Bardo” übersetzt, der 2017 mit dem Man-Booker-Prize ausgezeichnet worden ist.
(Ich muss allerdings sagen, dass mir George Saunders Erzählbände “I CAN SPEAK!” und “Zehnter Dezember” viel besser gefallen haben.)

Gerade habe ich in “Zazie in der Metro” hineingelesen und festgestellt, dass ich mit diesem Text nicht so viel anfangen kann. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Aufgrund ihrer hohen Affinität zur Sprache gehe ich davon aus, dass Thea Dorn dieses Werk vorstellen wird.

» zur Leseprobe

Ob das wirklich so ist, werden wir am Freitag, den 14. Juni 2019 ab 23:00 erfahren.
Ich jedenfalls finde die Auswahl gelungen und freue mich vor allem auf Joachim Meyerhoff.


Das könnte Dich auch interessieren:

2 thoughts on “Das Literarische Quartett – Die Bücher der Sendung am 14. Juni 2019
Mikka

Hallo,

das ist wirklich eine hochinteressante Auswahl, ich bin gespannt, wie die Bücher bei den verschiedenen Quartettmitgliedern ankommen. Gelesen habe ich davon noch keins, aber auf der Wunschliste stehen drei davon.

LG,
Mikka

Tina

Hallo Friederike,

hab Dank für deine Vorstellung der „Quartett-Titel“! Deine Einschätzung, wer welches Buch vorstellt, teile ich 🙂 und die „Nickel Boys“ möchte ich vor der Sendung auch noch lesen bzw. als Audiobuch anhören.

Dir wünsche ich ebenfalls eine gute Lesezeit mit Whiteheads neustem Werk (von „Lesevergnügen“ kann man hier aufgrund der Thematik wahrscheinlich nicht sprechen)!

Liebe Grüße von Tina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Archive