Der Literatur-Spiegel im März 2017 – Meine Highlights

Der Literatur-Spiegel im März 2017 – Meine Highlights

In diesem Monat wartet der Literatur-Spiegel unter unter anderem mit einem für mich sehr wertvollen Tipp auf: Mit einem Artikel über die Werke des Schriftstellers James Gordon Farrell, der tragischerweise mit 44 Jahren beim Angeln ums Leben gekommen ist und eine fulminante Trilogie hinterlassen hat.

James Gordon Farrell: “Singapur im Würgegriff”

Bis zur Lektüre des Artikels von Spiegel-Autor Dirk Kurbjuweit war mir der britisch-irische Autor James Gordon Farrell zugegebenermaßen vollkommen unbekannt. Ich glaube, da habe ich wirklich etwas verpasst, zumal seine Werke zur Weltliteratur zählen und Dirk Kurbjuweit (dessen Romane “Angst” und “Die Kriegsbraut” ich mit Begeisterung gelesen habe) diese so beschreibt, dass ich am liebsten gleich mit dem Lesen anfangen würde.

Farrels Hauptwerk ist die “Trilogie des Imperiums”, bestehend aus den Bänden “Troubles“, “Die Belagerung von Krishnapur”, und “Singapur im Würgegriff” (lieferbar ab dem 27.2.2017), die alle bei Matthes und Seitz erschienen sind.
Das Thema der Romane ist das Leben und Wirken der Briten in ihren Kolonien. In “Troubles” befinden wir uns im Jahr 1857 in Indien, in “Die Belagerung von Krishnapur” in Irland im Jahr 1919 und “Singapur im Würgegriff” spielt 1937 in Singapur.
In allen drei Bänden, so Kurbjuweit, werden die Briten bedrängt und haben Angst davor, dass die Kolonisierten Macht über sie erlangen werden.

1973 erhielt Farrell für “Die Belagerung von Krishnapur” den Booker-Prize. Des Weiteren wurde “Troubles” rückwirkend für das Jahr 1970 mit dem “Lost Man Booker Prize” ausgezeichnet. Dieser war eingeführt worden, da es in jenem Jahr eine Regeländerung gab: Bis 1970 wurden die Bücher des jeweils vergangenen Jahres ausgezeichnet, ab 1971 dann die Bücher, die im Jahr der Preisverleihung erschienen waren.
Somit waren die Bücher des Jahres 1970 nicht wählbar. Dies wurde im Jahr 2010 rückwirkend korrigiert.

Was mich an Farrells Werken besonders reizt ist die Tatsache, dass (so Kurbjuweit) der Humor zu den Stärken des Schriftstellers zählt. In einer weiteren Besprechung wird P.G. Wodehouse (einen Schriftsteller, den ich sehr liebe und dessen Romane ich allen England-Liebhabern ans Herz lege) als Vergleich herangezogen.
Werken mit britischem Humor kann ich prinzipiell nicht widerstehen, daher wird wohl Farrells “Trouble” bald in mein Regal wandern. Vielen Dank für diesen Tipp.

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P.S.: Der Meister des britischen Humors ist für mich Evelyn Waugh.
“Scoop” zum Beispiel zählt zu meinen Lieblingsbüchern und hat mir viele sehr vergnügliche Lesestunden beschert und so manchen verwunderten Blick in der Straßenbahn eingebracht: Ich habe fortwährend vor mich hingekichert.

E.O. Chirovici: “Das Buch der Spiegel”

In dieser Ausgabe des Literatur-Spiegels befindet sich auch eine Seite mit Krimi-Tipps und eines vorgestellten Werke steht auch schon in meinem Regal. Bisher ungelesen, doch ich denke, dies wird sich nun ändern, denn “Das Buch der Spiegel” klingt nach einem wahren Pageturner.

Peter Katz ist Literaturagent und bekommt eines Tages das Manuskript Schriftstellers Richard Flynn in die Hände, das ihn von der ersten Seite an fasziniert und in welchem der Mord an einem Professor thematisiert wird.
Diesen Mord gab es wirklich, doch er wurde nie aufgeklärt. Katz Vermutung geht dahin, dass Flynn, der unheilbar krank ist, den Mord in diesem Text entweder gestehen oder verraten wolle, wer der wahre Täter sei, doch dazu kommt es leider nicht. Der Text endet sehr abrupt.
Flynn ist jedoch schon verstorben, so kann man ihn nicht mehr befragen, doch Katz hat die Neugier gepackt: Er setzt alles daran herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist.

Chirovic belebe hier das Genre des literarischen und gerne auch philosophischen Kriminalromans, so der Spiegel-Autor Wolfram Höbel, der es mit seinem Text geschafft hat, dass ich “Das Buch der Spiegel” nun unbedingt lesen möchte.

Denis Scheck war übrigens von diesem Buch ebenfalls sehr angetan.

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Julian Barnes: “Der Lärm der Zeit”

“Der Lärm der Zeit” wird wohl eine der Neuerscheinungen dieses Frühjahr sein, um die man nicht herumkommen wird.
Vorgestern las ich eine begeisterte Rezension im Stern, Spiegel-Autor Joachim Kronsbein lobt dieses Werk und ich gehe mal davon aus, dass sich auch alle vier Kritiker des Literarischen Quartetts in der kommenden Sendung am 3. März angetan zeigen werden.

Das liegt nicht nur am interessanten Thema des Romans (das Leben des Komponisten Schostakowitsch unter Stalins), sondern natürlich auch am Autor des Werkes, dem britischen Routinier Julian Barnes, dessen Roman “Vom Ende einer Geschichte” 2011 mit dem Man-Booker-Prize ausgezeichnet worden ist.

Seine Romane “Flauberts Papagei”, “England, England” und “Arthur & George” standen übrigens jeweils auf der Shortlist des besagten Preises und ich erinnere mich daran, dass ich an “Arthur und George”, ein Buch, in dem es unter anderem um den Schriftsteller und Sherlock Holmes Erfinder Arthur Conan Doyle geht, viel Freude hatte.

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Isabelle Autissier: “Herz auf Eis”

“Herz auf Eis” ist eine der Neuerscheinungen, auf die ich mich in diesem Frühjahr besonders freue und die ab dem 7. März im Handel erhältlich sein wird.

Es geht um ein junges Paar, das in Paris lebt, alles hat, sich aber zu langweilen beginnt. Schließlich kommt die Idee auf, eine Pause vom Alltag zu machen und die Welt zu umsegeln.
Gesagt getan, doch vor Kap Hoorn geraten sie in einen Sturm, der sie von der Außenwelt abschneidet. Die Situation ist lebensbedrohlich und da ist es keine große Hilfe, dass die beiden beginnen, sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen und die Nerven zu verlieren.

Isabelle Autissier weiß wovon sie schreibt, denn bereits mit zwölf Jahren war ihr klar, dass sie später einmal alleine um die Welt segeln werde. Diesen Entschluss setzte sie 1986 in die Tat um und segelte einhand über den Atlantik. 1991 folgte die Weltumseglung. 1999 kam es zu einem Unfall, woraufhin Isabelle Autissier beschloß keine weitere Aktion in dieser Größenordnung zu starten.
Ihre Erfahrungen hat sie nun in “Herz auf Eis” verarbeitet und die Spiegel-Autorin Katharina Stegelmann schreibt, dass eben diese Erfahrungen der Erzählung Schönheit und Kraft schenken. Autissier beschreibe die innere Verfassung des Menschen, der auf sich alleine gestellt sei intensiv, glaubwürdig und berührend.

Für dieses Buch war Isabelle Autissier für den renommierten “Prix Goncourt”, Frankreichs bekanntesten Literaturpreis, der mit symbolischen 10 € dotiert ist, nominiert.

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Ein ähnlich geschlossenes Setting beschreibt der Schweizer Autor Roman Graf in seinem Buch “Niedergang” das mich vollkommen für sich eingenommen hat.
Auch hier sind die beiden Protagonisten der Natur ausgeliefert, doch ist es in diesem Falle nicht das Meer, das bedrohlich wird, sondern der Berg. Doch das nur am Rande.

Karine Tuil: “Die Zeit der Ruhelosen”

Zehn Romane hat die französische Autorin Karine Tuil geschrieben, von welchen zwei derzeit in deutscher Sprache lieferbar sind bzw. sein werden: “Die Gierigen” und ab dem 10.März 2017  “Die Zeit der Ruhelosen”.

“Die Gierigen” befindet sich, leider noch immer ungelesen, auf meinem eReader und ich weiß, dass ich es schon längst gelesen haben sollte, schwärmte mir doch ein Kollege so sehr davon vor. “Großartig!” war eines der Wörter, die er benutzte und Paris Match schrieb  “Zweifellos einer der wichtigsten Romane dieses Bücherherbstes”.

Durchleser, Bücherwurmloch und Ruth liest haben „Die Gierigen“ bereits gelesen.

Nun jedenfalls erscheint “Die Zeit der Ruhelosen”, ein Buch, in dem es um die gesellschaftliche und politische Gegenwart geht und welches die Spiegel-Autorin Claudia Voigt manchmal an eine gut gemachte Fernsehserie erinnert. Es gehe in diesem Roman um das Thema der Identität und um die Frage, wie sehr der Mensch durch seine Herkunft auf eine Lebensrolle festgelegt ist.

Eine der Hauptfiguren ist der Manager Francois Vély, der sehr erfolgreich ist. Dann jedoch stürzt sich seine Exfrau aus dem Fenster, als sie erfährt, dass Francois wieder heiraten möchte. Doch dies ist nicht das einzige Tragische, dass Vély widerfährt, denn es stellt sich heraus, dass seine Frau in spe eine Affäre mit einem aus Afghanistan heimgekehrten Offizier hat.
Des Weiteren wird Vély bezichtigt rassistisch und sexistisch zu sein, wobei ausgerechnet ein Politiker Partei für ihn ergreift, der seine Stimme normalerweise gegen die weiße gesellschaftliche Elite erhebt.
Im Irak kommt es schließlich zu einer Begegnung aller Akteure, die dramatische Konsequenzen hat.

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3 thoughts on “Der Literatur-Spiegel im März 2017 – Meine Highlights
Pingback: Der Literatur-Spiegel im März 2017 | ensafh
Sabine

Ich bin als passionierte Leserin leider erst dieser Tage auf deinen Blog gestoßen und bin BEGEISTERT!!!
Du stellst die wesentlichen Neuerscheinungen sehr ausgewogen und mit persönlicher Meinung und Einschätzung vor, hast viele Links zu anderen Bloggern oder Verlagen unterlegt. Man kann sich hier umfassend bilden und informieren, um Fehlkäufe zu vermeiden….
Auch Oskars Leseliste gibt Inspiration für neue Leseabenteuer, die nicht auf den aktuellen Bestsellerlisten stehen.
Chapeau!!!
Hier finde ich mich wieder und werde immer wieder vorbei schauen.
Liebe Grüße

    Friederike

    Liebe Sabine,

    da werde ich ja ganz rot…
    Vielen Dank! Ich freue mich sehr über diese Worte.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende,
    viele Grüße,
    Friederike

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