Der Literatur-SPIEGEL im Mai 2016 – Meine Highlights

Der Literatur-SPIEGEL im Mai 2016 – Meine Highlights

Allein schon wegen des Artikels von Jochim Meyerhoff, den ich aufgrund seines lakonischen und humorvollen Schreibstils sehr schätze und dessen Buch “Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke” ich mit großem Vergnügen gelesen habe, lohnt es sich, in diese Ausgabe des Literatur-Spiegels hineinzublicken.
Des Weiteren finden wir einen Vorabdruck des Erzählbandes “Fallensteller” von Sasa Stanisic und noch viele weitere Lesetipps.

Das sind meine Highlights:

Hilary Mantel: “Jeder Tag ist Muttertag”

DSC01815

Die britische Schriftstellerin Hilary Mantel ist neben dem südafrikanischen Autor J.M.Coetzee und dem Australier Peter Cary, die Dritte im Bunde derer, die den Booker-Prize, bei welchem es sich um den wichtigsten britischen Literaturpreis handelt, gleich zwei Mal bekommen haben.
Im Jahr 2009 bekam sie ihn für ihren historischen Roman “Wölfe” und 2012 für die Fortsetzung mit dem Titel “Falken”.

Bei “Jeder Tag ist Muttertag” handelt es sich um eines ihrer frühen Werke. Im Englischen ist es bereits im Jahre 1985 veröffentlicht worden.
Es geht um eine Mutter und deren Tochter, welche sich zusammen in einem heruntergekommenen Haus verbarrikadiert haben. Die Tochter ist geistig behindert und die Mutter mag keine Fremden, weshalb sie den örtlichen Sozialarbeitern so gut es eben geht den Zugang zum Haus verwehrt.
Im Falle der aktuellen Sozialarbeiterin, die außergewöhnlich hartnäckig ist, gestaltet sich dies schwierig und als die Mutter feststellt, dass die Tochter schwanger ist (wobei sich die Frage stellt, wie dies denn überhaupt geschehen konnte), wird die Lage der beiden immer komplizierter.

Ich habe diesen Roman soeben so Ende gelesen und bin vollkommen begeistert. Es ist ein dezent gemeines und sehr schwarzhumoriges Buch, das muß man vielleicht wissen, aber es ist großartig. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung die den Titel: “Im Vollbesitz des eigenen Wahns” trägt und welche im August 2016 erscheinen wird.

»zu meiner Rezension

» zur Verlagsseite

Stewart O´Nan: “Westlich des Sunset”

DSC01813

Joachim Meyerhoff zu lesen ist für mich immer ein großes Vergnügen. Seien es seine Bücher wie “Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke” und “Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war” oder eben ein Artikel über Stuart O´Nans Buch “Westlich des Sunset”. So wie Meyerhoff diesen Roman beschreibt, habe ich sofort Lust mir dieses Buch zuzulegen.

Thema des Buches sind die drei letzten Lebensjahre des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald und seiner Gattin Zelda. “Der große Gatsby” hieß sein großer Erfolg, doch inzwischen ist dieser Ruhm verblasst. Er schreibt zwar für Hollywood, doch hat ihn seine Alkoholsucht im Griff und Zelda lebt in einer psychiatrischen Klinik.
Des Weiteren bringt O´Nan dem Leser zwei Personen nahe, die so detailliert seines Wissens nach noch nie beschrieben worden wären, so Meyerhoff: Scotty (Zelda und Scotts Tochter) und Sheila Graham (Klatschkolumnistin und Fitzgeralds letzte Liebe).

Ich freue mich sehr auf dieses Buch. Feiner reiner Buchstoff hat dieses Werk bereits gelesen und besprochen.

» zur Leseprobe

Anse Seierstad: “Einer von uns”

DSC01806

Anders Behring Breivik ist der Mann, der am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utoya Amok lief. 77 Menschen kamen dabei ums Leben.
Er wurde zur höchsten im norwegischen Recht möglichen Gefängnisstrafe von 21 Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt und war vor Kurzem erneut in den Medien, da er gegen seine Haftbedingungen klagte.
Mehr Informationen dazu gibt es im Spiegel und in der Zeit.

Obwohl die Tat aufgeklärt und auch über Breiviks Leben alles bekannt ist, bleibt dieser Mann ein Rätsel, zumal sich für seine Tat keinerlei Motive finden lassen. Drei Jahre lang habe die Journalistin Anse Seierstad an ihrem Buch “Einer von und” gearbeitet, so der Spiegel Autor Tobias Rapp, und paradoxerweise dürfe die größte Qualität ihrer Recherche darin liegen, dass auch sie das Rätsel um Anse Breivik nicht zu lösen vermag.
Keiner sei seit Truman Capote (“Kaltblütig”) einem Mörder so nahe gekommen, wie Anse Seierstad und dies sei manchmal schwer auszuhalten, zum Beispiel, als sie den Amoklauf aus der Sicht von Breivik schildere.
Auch Klaus Theweleit hat versucht Breivik zu erklären, doch wirklich befriedigend seien auch seine Thesen nicht und vielleicht müsse man sich jetzt ja an eine Kategorie erinnern, die die Religion für solche Fälle erfunden habe: Das Böse.

Zum Artikel über dieses Buch bei Deutschlandradio Kultur.

» zur Leseprobe

Bernd Cailloux: “Surabaya Gold”

DSC01808

Bernd Cailloux Roman “Gutgeschriebene Verluste” (erschienen 2012) steht bei mir schon lange auf der Liste der Bücher, die ich noch lesen möchte. Vielleicht schaffe ich es ja, wenn ich mal in Rente bin. Wer mehr über dieses Buch wissen möchte, kann dies im Spiegel nachlesen.

Bei seinem neuen Buch “Surabaya Gold” handelt es sich um sechs Erzählungen, die der Autor selbst als “Haschischgeschichten” bezeichnet.
Es geht zum Beispiel um einen Offizier, der aus ehelicher Zuneigung zum Drogenkurier wird, um eine Dealer, der mit seinem nicht ganz echten Stoff an die falschen Leute gerät und um zwei Senioren in der Reha, die gerne schön mal was rauchen.
Kifferklischees werden hier keine bedient, so der Verlag, es handele sich um “sanfte Satiren”.
Da bin ich mal gespannt.

» zur Leseprobe

Kate Tempest “Worauf Du Dich verlassen kannst”

DSC01803

Kate Tempest kommt aus dem Südosten Londons, ist das Jüngste von fünf Geschwistern (sie wurde 1985 geboren) und brach mit 16 die Schulausbildung. Bevor sie mit ihrer Band “ Sound of Rum” durch Europa, die USA und Australien tourte, nahm sie an diversen Poetry-Slams teil und hatte ihre ersten Auftritte als Rapperin.
Jetzt hat sie einen Roman geschrieben.

Es geht um vier Freunde, die Jobs haben, für die man keine Ausbildung benötigt und eigentlich raus wollen aus London, aber sich von dieser Metropole einfach nicht lösen können. Wir bekommen Einblick in das Leben der “kleinen Leute”, erfahren Momente der Schönheit, des Scheiterns, des Ehrgeizes und der Enttäuschung. Als “klug, niemals zynisch und immer voller Empathie” beschreibt der Verlag Tempests Schreibstil.

Der Spiegel Autor Wolfgang Höbel warnt davor, “Worauf Du Dich verlassen kannst” als Ausflug einer Lyrikerin ins Romangenre abzutun. Man solle im Bezug auf diesen Erstling lieber die Worte nachsprechen, die die Musikerin Viv Albertine für Patti Smith gefunden habe: “Wenn ich nur ein Viertel oder auch nur ein Achtel von dem habe, was sie hat, und bereit bin, mich zur Idiotin zu machen, könnte vielleicht doch noch was aus mir werden.”

Das klingt sehr vielversprechend. Dieser Roman erscheint am 21.Mai 2016.

» zur Verlagsseite


Das könnte Dich vielleicht auch interessieren:

4 thoughts on “Der Literatur-SPIEGEL im Mai 2016 – Meine Highlights
Marina

Auf „Westlich de Sunset“ bin ich auch sehr gespannt …
Danke für den schönen Überblick!

Bri

Westlich des Sunset ist großartig – wirklich. Ich wünschte, ich hätte es noch nicht gelesen. LG Bri

    Friederike

    Dann müssen Marina und ich wohl schnell ran!
    Ich freue mich darauf.

    Viele Grüße,
    Friederike

      Bri

      Ganz schnell müsst ihr ran 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: