Der Literatur-Spiegel zur Leipziger Buchmesse 2017: Die Bücher des Frühjahrs 2017

Der Literatur-Spiegel zur Leipziger Buchmesse 2017: Die Bücher des Frühjahrs 2017

Dass die Leipziger Buchmesse in dieser Woche stattfindet, ist auch daran zu merken, dass diverse Zeitungen ihren Literaturteil ausweiten bzw. ein Extra-Heft herausbringen.
Nach der Literatur-Beilage der Zeit habe ich mich nun dem Literatur-Spiegel gewidmet und neben vielen Artikeln, die meinen Lesewunsch verschiedener Romane bestärkt haben, ein Werk entdeckt, das ich fast ignoriert hätte:“Eine kurze Geschichte von sieben Morden” von Marlon James.
Vielen Dank für diesen Tipp.

Das sind meine Highlights dieser Ausgabe:

Jan Schomburg: “Das Licht und die Geräusche”

Dies ist ein Roman über das Erwachsenwerden und man merkt ihm an, dass der Autor ein versierter Drehbuchautor und Regisseur ist.
Jan Schomburg schreibe so überzeugend aus der Sicht eines jungen Menschen, so die Spiegel-Autorin Anke Dürr, dass es sich auch für Erwachsene lohne, dieses Buch zu lesen.

Da stimme ich ihr vollkommen zu, denn ich habe diesen Debütroman sehr gerne gelesen.

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Ein weiterer Roman, der aus jugendlicher Perspektive geschrieben ist und der zu meinen Lieblingsbüchern zählt ist “Liberty” von Jakob Ejersbo.
Hier geht es um Christian, der mit seinen Eltern (beide sind Entwicklungshelfer) in den 80er Jahren nach Tansania zieht und sich zunächst dort schrecklich langweilt, da er in einer abgeriegelten Siedlung für Weiße lebt.
Was sich dann jedoch entwickelt, habe ich mit angehaltenem Atem gelesen – so intensiv habe ich Afrika in einem Roman noch nie und nie wieder gespürt.

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Marlon James: “Eine kurze Geschichte von sieben Morden”

Am 3. Dezember 1976 fand ein Attentat auf Bob Marley in dessen eigenem Zuhause statt. Was im Haus geschehen sei, das wisse man genau. Nur was danach mit den Tätern passierte, davon wird nirgends berichtet und in diversen Biografien fände dieses Attentat gar keine Erwähnung, so erzählt der Schriftsteller Marlon James in einem Interview.

Um dieses Ereignis herum hat der Autor nun einen Roman geschrieben. Einen Roman, der nicht wie der Titel impliziert “kurz” ist, sondern über 800 Seiten doch sehr umfangreich daherkommt.
Doch dass dies so werden würde, dass 180 Personen auftauchen und die Handlung sich  von den 70er Jahren bis zu den 90ern erstrecken würde, habe er selbst nicht gedacht, so erzählt Marlon James, der durch die Romane von Charles Dickens geprägt worden ist, weiter.

Ich muß gestehen, dass ich eigentlich nicht vorhatte, dieses Buch zu lesen, für das James mit dem Man-Booker-Prize 2015 ausgezeichnet worden ist. Doch der Artikel des Spiegel-Autors Wolfgang Hölbe war sozusagen eine Initialzündung für mich. Ich habe diverse Interviews und einiges über den Autoren selbst gelesen und bin nun sozusagen infiziert.

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» Marlon James über “Eine kurze Geschichte von sieben Morden”

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Natascha Wodin: “Sie kam aus Mariupol”

Lange Zeit wußte die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin Natascha Wodin nichts über die Familie ihrer Mutter und über ihre Mutter selbst, die sich selbst das Leben nahm, als Natascha zehn Jahre alt war.
Doch dann kam ihr der Zufall zu Hilfe, so berichtet die Spiegel-Autorin Claudia Voigt und Wodin stieß auf viele Verwandte aber auch auf die Tatsache, dass es in der Familie ungewöhnlich viele Selbstmorde und Morde gegeben habe und auf das Thema der Zwangsarbeit im Dritten Reich.  

Aus dem Schicksal ihrer Familie hat Natascha Wodin (die 1945 als Tochter sowjetischer Zwangsarbeiter geboren wurde) nun ein todtraurigen Roman gewoben, so Claudia Voigt. Ein Denkmal für ihre Mutter, mit dem Wodin für Preis der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr nominiert ist.

Ruth liest, Hauke von Leseschatz und Simone Trieder (Fixpoetry) hab dieses Buch bereits gelesen und besprochen.

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Als ich gerade Artikel zu Natascha Wodins Werk las, stellte ich fest, dass ich vor einigen Jahren einen ihrer Romane gelesen habe. Das hatte ich völlig vergessen. Nicht den Roman an sich, an den erinnere ich mich deutlich und daran, dass er er mich mit seiner Intensität beeindruckt hat, jedoch war mir entfallen, von welcher Autorin er stammte.

Es handelt sich dabei um den Titel “Nachtgeschwister”, in welchem es um eine Frau geht, die per Zufall auf den Lyrikband eines Dichters stößt, der im anderen Teil Deutschlands lebt.
Sie ist hingerissen, beginnt sich den Mann hinter den Zeilen vorzustellen und wird dabei immer obsessiver. Als er dann nach langem Hin und Her wirklich vor der Tür steht, muß sie jedoch feststellen, dass dieser Mann so gar nicht ihren Vorstellungen entspricht und sogar albtraumhafte Züge entwickelt.

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Sofi Oksanen: “Die Sache mit Norma”

Sofi Oksanens Roman “Fegefeuer”, in dem es unter anderem um die Geschichte Estlands im Zweiten Weltkrieg geht, hat mich vor ein paar Jahren vollkommen begeistert. Wie Oksanen Sprache und Handlungen zu einer Dringlichkeit verknüpft, der man sich nicht mehr entziehen kann, ist einzigartig. Eine der Kernaussagen des Romans ist, dass es egal sei, welches politische System gerade herrsche, es sind immer die Frauen, die das Opfer sind.
Die Ausbeutung der Frau ist auch das Leitthema in Oksanens neuestem Werk “Die Sache mit Norma”.

Es geht um Norma, deren Mutter sich das Leben genommen hat, wobei Norma starke Zweifel hegt. Sie beginnt in der Wohnung der Mutter fieberhaft nach Schriftstücken zu suchen, die beweisen, dass es kein Selbstmord gewesen ist und stößt dabei auf Dokumente, die offenlegen, dass ihre Mutter wohl mit jemandem in Berührung gekommen war, der sich intensiv mit dem Thema der Leihmutterschaft, als auch der Haarverlängerung befasst hat. Dabei ist zu bedenken, dass Normas Haare ungewöhnlich schnell wachsen, was ihre Mutter vor anderen stets verheimlicht hat…

» zur Rezension von Paula Pfoser (ORF)

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Lukas Bärfuss: “Hagard”

Ursprünglich war dieses Buch für das 2. Quartal 2016 angekündigt und ich war fest davon überzeugt, dass es ein Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2016 sein würde. Mit seinen Werken “Hundert Tage” und “Koala” stand Bärfuss bereits in den Jahren 2008 bzw. 2014 auf der Longlist.

Nun ist “Hagard” endlich erschienen und wurde sogleich für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Es geht hier um einen Mann, der in Zürich aus einer Laune heraus einer Frau zu folgen beginnt. Einfach so. Er besteigt den gleichen Zug, folgt ihr nach Hause, verbringt die Nacht im Freien und läßt seine Termine sausen.  

Ich muß ja gestehen, dass ich damals mit “Koala” so gar nichts anfangen konnte, “Hundert Tage” hingegen hat mich begeistert. In “Hagard” werde ich auf jeden Fall hineinlesen.

Marina von literaturleuchtet und Sophie von Literaturen haben dieses Buch bereits besprochen.

» zur Rezension in der FAZ

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Amy Gentry: “Good as Gone”

Seit der letzten Ausgabe gibt es eine Krimi-Seite im Literatur-Spiegel. Eigentlich bin ich kein großartiger Krimi-Leser, doch vorgestern ist mir “The Couple next Door” von Shari Lapena in die Hände gefallen. Ich habe hineingelesen und konnte nicht mehr aufhören.
Ein unblutiger Krimi für alle Leser von “Gone Girl” von Gillian Flynn und “Girl on the Train” von Paula Hawkins, wie ich finde. Daher kommt mir die aktuelle Empfehlung Literatur-Spiegel gerade recht, denn dieser Krimi scheint in die gleiche Richtung zu gehen. Es handelt sich um “Good as Gone” von Amy Gentry.

Es geht um Tom und Anna, deren 13-jährige Tochter entführt worden ist, doch nie gefunden wurde.
Acht Jahre nachdem man den Fall zu den Akten gelegt hat, taucht eine Frau auf und behauptet, jene Tochter zu sein. Allerdings gibt es in ihrer Geschichte Unstimmigkeiten und obwohl Anna hofft, dass es doch ihre Tochter sein möge, hegt sie bald einen gefährlichen Verdacht.

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Eine ähnliche Thematik (nur stilistisch literarischer) greift Katharina Hartwell in ihrem Roman “Der Dieb in der Nacht” auf, in dem es um Paul geht, dessen Freund Felix vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist.
Während eines Urlaubs in Prag glaubt Paul jedoch, Felix in einer Kneipe entdeckt zu haben. Zumindest hat diese Person das gleiche Muttermal.
Doch der Mann kann sich an seine Vergangenheit nicht erinnern.

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