Amélie Nothomb: “Kosmetik des Bösen”

Amélie Nothomb: “Kosmetik des Bösen”

Amélie Nothombs bevorzugte Textform ist der Dialog. Dass sie die ungekrönte Meisterin desselben ist, stellt sie in diesem Roman erneut unter Beweis.

Jérôme Angust ist genervt. Zu Recht, denn gerade wurde durchgesagt, dass sich sein Flug auf unbestimmte Zeit verspäten werde. Es gebe technische Probleme. Wie beruhigend!
Nichts ist langweiliger, als auf einem Flughafen festzusitzen, denn was soll man dort schon tun, außer zu lesen. Obwohl Jérôme nicht wirklich in Stimmung dafür ist, schlägt er sein Buch mangels anderer Alternativen auf.

Seine Laune hebt sich auch nicht, als sich ein Herr neben ihn setzt und partout ein Gespräch beginnen möchte. Dass Jérôme seine Fragen (“Gutes Buch?”) nur mit einem Brummen quittiert und dabei noch nicht einmal aufblickt, scheint den Herrn nicht zu stören. Er redet munter weiter: “Sie Glücklicher! Ich kann unterwegs überhaupt nicht lesen.”
Woraufhin Jérôme innerlich kommentiert: “Und deshalb musst Du Leuten, die es können, den letzten Nerv töten […].”.
“Ich hasse Flughäfen” fährt der Mann fort.
“Ich auch.”, denkt Jérôme “Und zwar zunehmend.”

Der Herr stellt sich als Textor Texel vor und erzählt, dass er Holländer sei. “Ein Flughafen-Holländer – die Billig-Version des fliegenden Holländers.” Dies spricht Jérôme übrigens laut aus, denn von Minute zu Minute merkt er, dass Herr Texel es anscheinend nicht versteht, wenn man etwas durch die Blume sagt.
Direktheit allerdings auch nicht, denn Texel zieht sich nicht wie gewünscht beleidigt zurück, sondern quatscht munter weiter.
Ein Albtraum, der immer schlimmer wird, denn Texel beginnt aus seiner Kindheit zu erzählen. Zum Beispiel davon, dass er bereits im Kindesalter jemanden umgebracht habe…

Amélie Nothomb beherrscht etwas, was sich viele Autoren wünschen und zwar den Leser gleich mit den ersten beiden Sätzen ans Buch zu fesseln. Man kann gar nicht anders, als weiterzulesen und zu staunen, mit welcher Eleganz die Belgierin eine Pointe nach der anderen formuliert.
Ohne je banal zu werden führt sie den Leser auf hochintelligente Art und Weise aufs Glatteis und punktet bei mir mit viel schwarzem Humor.

Das macht Spaß! Mehr davon!

» zur Verlagsseite

P.S.: Dieses Buch ist ein Beitrag zur Aktion #GoldenBacklist, bei der es darum geht, Titel in den Fokus zu rücken, deren Erscheinen schon länger zurückliegt.


ISBN: 978-3-257-23475-6
Verlag: Diogenes
Erscheinungsjahr: 2005
Übersetzung: Brigitte Große
Seiten: 112
Preis: 11,00 € – bei Thalia bestellen (Affiliate Link)


Das könnte Dir vielleicht auch gefallen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: