Die besten Romane des Jahres 2021

Die besten Romane des Jahres 2021

Im Dezember lasse ich alle Romane, die ich im jeweiligen Jahr gelesen habe, Revue passieren und erstelle eine Top 10. In diesem Jahr ist es eine Top 12 geworden.
Welche Bücher die ersten drei Plätze belegen werden, war mir allerdings sofort klar, denn diese Romane waren für mich unglaublich intensiv und fesselnd. Schlichtweg herausragend.

Hier sind sie also meine Highlights des Jahres 2021:

Joyce Carol Oates: “Cardiff am Meer”

Als der Anwalt am anderen Ende der Leitung Clare mitteilt, dass sie etwas geerbt hat, ist sie sehr erstaunt.
Sie kennt keine Maude Donegal und der Ort Cardiff sagt ihr ebenfalls überhaupt nichts.

“Maude Donegal – die Mutter ihres Vaters. Donegal – das ist doch ihr Geburtsname. Wussten Sie das nicht? Ich hoffe, ich habe sie nicht beunruhigt, Miss.”
Oh doch…

Denn Clare hat niemandem erzählt, dass sie (nicht als Baby, sondern ungewöhnlicherweise im Alter von 2 Jahren und 9 Monaten) adoptiert wurde und nicht weiß, wer ihre leiblichen Eltern sind. Bisher hatte sie auch kein Interesse daran, dies herauszufinden.
Bis jetzt. Bis zu diesem Anruf.
Jetzt ist sie doch neugierig geworden und macht sich auf nach Cardiff am Meer.
Hätte sie das doch bloß gelassen….

Seit ich “Sieben Reisen in den Abgrund” und “Pik-Bube” gelesen habe, bin ich ein absoluter Joyce Carol Oates Fan.
Nach ein paar Seiten von “Cardiff am Meer”, war mir auch gleich wieder klar, weshalb das so ist: Wie es der kanadischen Schriftstellerin gelingt, einen ans Buch zu fesseln und sich in den Kopf ihrer Charaktere hineinzuversetzen, ist einzigartig – und irrsinnig gut.

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Colum McCann: “Apeirogon”

Ganz grob gesagt geht es in diesem Roman um den Israel-Palästina-Konflikt. Um Bassam, der in Palästina und Rami, der in Israel lebt und deren Töchter (Smadar (fast 14) und Abir (10)) getötet worden sind.
Abir von einem Gummigeschoss eines Grenzsoldaten und Smadar bei einem Selbstmordattentat.
Colum McCann hat diese Geschehnisse und Personen nicht erfunden. Dies alles ist wahr.

“Apeirogon” hat mich sehr beeindruckt, denn ich habe unglaublich viel über die Situation im Nahen Osten erfahren.
Aber nicht nur das.
Colum McCann schreibt zum Beispiel auch darüber wie das Schwarzpulver erfunden wurde, oder über den Seiltänzer Philippe Petit, der 1974 zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers ein Drahtseil spannte und in 45 Minuten mehrmals von einem Turm zum anderen balancierte.

Oder davon, dass die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg die Idee hatten, Bomben an Fledermäusen zu befestigen, um diese über Japan abzuwerfen.
Der Plan bestand darin, dass sich die Fledermäuse in den zumeist aus Papier gebauten Häusern einnisten würden. Ist dies geschehen, so könnte man die Bomben zünden – und alles würde abbrennen.

Das war ein ernsthaftes Projekt, das jedoch nie zum Einsatz kam, weil man etwas vielversprechenderes in Los Alamos entwickelt hatte.
Die Atombombe….

Ein hochinteressantes, bewegendes Buch, durch das ich unglaublich viel gelernt habe.

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Alex Marzano-Lesnevich: “Verbrechen und Wahrheit”

Alex macht ein Praktikum in einer Kanzlei, die sich darauf spezialisiert hat, zum Tode Verurteilte zu verteidigen.
Sie selbst ist gegen die Todesstrafe – und hätte nie gedacht, dass sie anders fühlen und denken würde.

Doch genau dies geschieht, als sie ein Video von Rick Langley sieht, der den 6-jährigen Jeremy Guillory umgebracht hat. Alex spürt den Wunsch, dass Rick stirbt.

Um zu verstehen, weshalb sie so fühlt, gräbt sie sich tief in den Fall ein und stellt fest, dass es viele Parallelen zu ihrer eigenen Familiengeschichte gibt. Dinge, die in ihrer Familie totgeschwiegen worden sind.
Bis jetzt….

Dieses Buch ist keine Fiktion. Alex Marzano-Lesnevich schreibt hier mit klarem analytischen Sachverstand über zwei wahre Fälle.
Das Besondere hierbei ist die schöne, ruhige Sprache, in der die Autorin uns davon erzählt, was zwischen den Zeilen der Gerichtsakten steht. Eine Art Prosa, die man bei dieser Thematik vielleicht nicht so vermuten würde.
Und das macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem.

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Judith Merchant: “Schweig!”

Esther hat eigentlich überhaupt keine Zeit zu ihrer Schwester zu fahren. Denn Sue lebt nicht nur ein paar Kilometer weiter, sondern in einem Haus mitten im Wald.

Die Fahrt dorthin dauert eine Weile. Aber Esther ist es sehr wichtig, ihre Schwester wissen zu lassen, dass sie nicht alleine ist. Besonders heute.
Es ist der 23. Dezember und an Weihnachten sollte sich niemand einsam fühlen. Besonders Sue nicht, denn sie hat gerade eine Scheidung hinter sich und kinderlos ist sie auch.

Deshalb nimmt Esther die Fahrt auf sich, auch wenn ihr Mann Martin sagt, dass es wirklich nicht notwendig sei, weil Sue und Esther sich doch sowieso nur streiten.
Aber bei Geschwistern ist das eben so.

Ein Geschenk hat Esther auch dabei. Naja, Geschenk….eher eine kleine Aufmerksamkeit. Aber es ist die Geste, die zählt.
Einige Zeit steht Esther vor Sues (viel zu großem!!!) Haus und klingelt.
Nach einer langen, (eigentlich viel zu langen) Zeit, öffnet Sue die Tür.
In der Hand hat sie ein großes Messer…

Ich habe “Schweig!” sogar im Zahnarztstuhl während des Wartens gelesen und vollkommen vergessen, weshalb ich eigentlich dort war.
Das schafft wahrlich nicht jede Lektüre!

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Katharina Höftmann Ciobotaru: “Alef”

Maja wird in der DDR geboren. Als die Mauer fällt, ändert sich einiges in der Familie: Während ihre Mutter aufblüht und beginnt das Leben zu genießen, verliert der Vater jegliche Perspektive und zieht sich immer mehr zurück.

Eitan wächst in Israel auf. Die Familie seiner Mutter musste aus dem Irak fliehen, weil sie wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt wurde. Seine Großmutter väterlicherseits floh aus Deutschland. Sie war die einzige aus ihrer Familie, die den Holocaust überlebt hatte.

Dann lernen sich Maja und Eitan kennen und verlieben sich. Zwei Welten prallen aufeinander.
Kann das gut gehen…? !

Ein großartiges Buch, in welchem ich viel über die Geschichte Israels und über die DDR gelernt habe.
Durch kleine, alltägliche Szenen, gelingt es Katharina Höftmann Ciobotaru Geschichte erlebbar zu machen – und zeitgleich so gut zu unterhalten, dass ich “Alef” gar nicht mehr weglegen konnte.
Sehr bereichernd.

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Alan Gratz: “Amy und die geheime Bibliothek”

Amys Lieblingsort ist die Bibliothek. Zum einen, weil sie Bücher und das Lesen liebt und zum anderen, weil sie dort ihre Ruhe hat.

Als sie sich (mal  wieder) ihr Lieblingsbuch in der Schulbücherei ausleihen möchte, muss sie feststellen, dass es nicht im Regal steht.
Das kann aber gar nicht sein. Denn niemand außer Amy selbst leiht es aus. Das Buch ist auch gar nicht ausgeliehen. Es ist viel schlimmer!!

Die Bibliothekarin musste Amys Lieblingsbuch und noch einige weitere Titel (auch ALLE HARRY POTTER BÄNDE!!!) aus dem Regal nehmen, weil die Mutter eines Mitschülers der Meinung war, dass es für Grundschüler nicht geeignet ist.
Dagegen muss sofort etwas unternommen werden!

Super für alle Menschen, die das Lesen lieben.
Egal welchen Alters.

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Stephan Lee: “K-Pop Confidential”

Bitte nicht auf das kitschige Cover hereinfallen! Ich bin nämlich und wenn meine Kollegin mir nicht so begeistert von diesem Buch erzählt hätte, hätte ich “K-Pop-Confidential” wohl nicht gelesen.
Zum einen dachte ich, dass es sich hierbei um eine kitschige Liebesgeschichte handelt, zum anderen hat mich K-Pop bis dahin überhaupt nicht interessiert.
Schon nach den ersten Seiten dieser Lektüre hat sich das geändert. Diese Thematik ist so spannend und hochinteressant! Und nein, ich scherze nicht.

Es geht um Candace, deren Eltern ursprünglich aus Südkorea kommen und jetzt in Amerika leben.
Als vor Ort ein Casting für DIE neue K-Pop Girlgroup stattfindet (man braucht noch eine Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln) wird Candace von ihrer besten Freundin zur Teilnahme überredet – und als einzige genommen. Tanzen kann sie zwar nicht, aber sie hat eine außergewöhnliche Stimme.

Fortan wird sie an einer knallharten Trainee-Akademie in Seoul zum K-Pop-Star ausgebildet und wir begleiten sie dabei.

Ich habe durch dieses Buch sehr viel über die Unterschiede zwischen der westlichen und der koreanischen Kultur gelernt. Außerdem habe ich während und nach der Lektüre sehr umfassend recherchiert und dabei viel dazugelernt.
Das hätte ich hinter diesem Cover nicht vermutet.
Hochinteressant und nicht mehr weglegbar!

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Ashley Audrain: „Der Verdacht“

Blythe und Fox haben sich auf der Universität ineinander verliebt. Sie beschließen zu heiraten.
Für Blythe könnte das Leben schöner nicht sein, doch Fox möchte unbedingt ein Kind.
Blythe hat Bedenken, dass sie ihn verlieren könnte, wenn sie kein Kind bekommt. Sie wollte nie eines haben – und das aus gutem Grund.

Schließlich gibt sie ihrem Mann nach, denn wenn er glücklich ist, wird auch sie es sein. Vielleicht ist sie ja auch anders, als die Frauen ihrer Familie. Ach was vielleicht…bestimmt ist sie das!

Dann kommt Violet auf die Welt – und Blythe stellt fest, dass all ihr gutes Zureden nichts genützt hat…..
Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ein  Pageturner!

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Juli Zeh: “Über Menschen”

Dora musste dringend weg aus Berlin. Weg von Robert, der zunächst Klimaaktivist war und nun eine neue Berufung gefunden hat. Er ist jetzt Corona-Experte, der nur eine Meinung gelten lässt: Nämlich seine eigene.

Deshalb ist Dora jetzt hier. In Bracken, in Brandenburg.
Sie hat sich ein kleines Haus mit einem 150 Quadratmeter Grundstück gekauft.
Wenn sie ihren Besitz jetzt so betrachtet, muss sie feststellen, dass 15 qm auch gereicht hätten.

Einen neuen Nachbarn hat sie auch. Grote, der definitiv der rechten Szene angehört und dies nicht geheim hält…

Zuerst hatte ich ja gar keine Lust auf dieses Buch. Zum Thema Corona wollte ich keinen Roman lesen. Dann schaute ich “mal kurz” rein und ZACK, schon war ich zu einem Drittel durch.

Zum einen liegt es an Juli Zehs feinen Beobachtungen. Ihre Beschreibung zum Thema “Kreislauf der Projekte” in der heutigen Arbeitswelt finde ich zum Beispiel sehr treffend.
Das Leben auf dem Land ist teilweise ebenfalls sehr realistisch. Zum Beispiel was Busabfahrtszeiten und den Lärm anbelangt.

Manchmal hatte ich aber auch den Eindruck, dass sie mit Bracken eine Art Utopie erschaffen hat. Die Menschen in Bracken könnten verschiedenere Ansichten gar nicht haben, aber dennoch leben alle in Frieden und Toleranz miteinander.
Das könnte jetzt kitschig sein, wäre da nicht Juli Zehs sehr trockener Humor, der dieses Buch zu einem meiner Highlights des Jahres 2021 macht.

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Tana French: “Der Sucher”

Seit einiger Zeit spürt Cal, dass er beobachtet wird. Kein Wunder. Man sagt ja nicht umsonst: Einmal Cop, immer Cop.
Na ja, egal. Wahrscheinlich sind es die Kinder aus dem Dorf, die sich den neu Zugezogenen mal genauer anschauen wollen. Die werden bald genug davon haben, denn Cals Leben ist alles andere, als spannend.
Das wird sich allerdings in nächster Zeit ändern…

Vor ca. 10 Jahren habe ich Tana Frenchs “Totengleich”* gelesen. Seitdem bin ich ein Fan der irischen Autorin, zumal sie sehr spannend und sehr atmosphärisch schreibt.
Ihre Bücher sind nicht einfach „nur“ Krimis, sondern auch Milieustudien.

Im Gegensatz zu ihrer Reihe um die Mordkommission in Dublin*, ist “Der Sucher” ein Einzelband, bei welchem die Kriminalhandlung in den Hintergrund tritt.
Es handelt sich hierbei um einen ruhigen, sehr atmosphärischen Irland-Roman, dessen Anliegen es ist, das Leben der Menschen zu beschreiben, die die Dinge lieber unter sich regeln.
Vielleicht nicht, weil sie das unbedingt so wollen, sondern weil die Gemeinschaft nichts anderes zulässt.

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Jenny Boidol: “Watercolor-Tiere”

Dank dieses tollen Buchs bin ich im absoluten Watercolor-Fieber.
Einen Pinsel hatte ich das letzte Mal in meiner Schulzeit in der Hand (..und beim Streichen der Wohnung, aber das zählt ja nicht…). Dann habe ich Dank einer Kollegin dieses Buch entdeckt und wisst ihr was?!
Diese süßen Tierchen nachzumalen, entspannt total und macht einfach glücklich!

Das Tolle ist, dass man keinerlei Vorkenntnisse braucht, zumal die Anleitungen sehr gut sind und zumeist aus nur vier Schritten bestehen.
Klingt einfach?
Ist es auch!

Was ihr braucht sind Aquarellfarben (fürs Erste kann man auch Wasserfarben nehmen, das hat meine Kollegin getestet), Pinsel und Aquarellpapier.
Jenny Boidol ermutigt einen auch, einen eigenen Stil zu entwickeln.
Ich habe mich inzwischen auf “Igel-mit-Accessoires” spezialisiert :).
Diese und andere Tiere, die ich gemalt habe, könnt Ihr Euch hier anschauen.

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Malin Lammers: “Watercolor fein & floral”

Ein wunderbares Buch, das sich prima für Aquarell-Einsteiger eignet.
Kleine Blumen aufs Papier zu bringen ist nämlich super einfach: Man drückt den Pinsel aufs Papier und schon hat man ein Blütenblatt.Nach dem Trocknen der Farbe wiederholt man das, malt einen kleinen Strich darunter und ZACK, schon ist die dich so hübsch überlappende Blüte fertig. Dank Malins tollen Schritt-für-Schritt Anleitungen bekommt das wirklich jeder hin. Versprochen!

Ich habe schon so viele Blüten und Blumenkränze produziert – und ein Ende ist nicht in Sicht.

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4 thoughts on “Die besten Romane des Jahres 2021
Susanne

Über Menschen ist auch mein Highlight! ❤️

Küste

Für mich waren die Highlights dieses Jahres „Über Menschen“ von Juli Zeh und „Hardland“ von Benedict Wells.

Eva

Zeh ist auch bei mir auf der Liste.
Aber mein absolutes Lese-Highlight, von dir aber leider (noch?) nicht besprochen, ist der Roman „E. oder Die Insel“ von Francis Nenik (Voland & Quist, 2021). Das Buch hat mich gefesselt, verstört und mir gezeigt, dass gute Literatur den Leser selbst auf einen Höllentrip mitnehmen kann.

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