Der Literatur-Spiegel zur Frankfurter Buchmesse 2017 – Meine Highlights

Der Literatur-Spiegel zur Frankfurter Buchmesse 2017 – Meine Highlights

Diese Ausgabe des Literatur-Spiegels ist etwas anders, denn sie besteht aus einem „Alphabet zur Frankfurter Buchmesse“ von A wie Margaret Atwood über F wie Frankreich bis Z wie Juli Zeh.

Das sind meine Highlights:

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Margaret Atwood

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit dem Jahr 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen und ist mit 25.000 € dotiert. Nach zum Beispiel Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978) und Orhan Pamuk (2005) erhält ihn in diesem Jahr die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood.

Einer ihrer bekanntesten Romane dürfte „Der Report der Magd“ sein, den ich vor Jahren mit Begeisterung gelesen habe.
In diesem Buch geht es darum, dass der amerikanische Präsident und die Mitglieder Kongresses ermordet worden sind. Es entsteht ein totalitärer Staat, in welchem Frauen keine Rechte haben. Ihre einzige Funktion ist es, Kinder zu bekommen.

Das Thema der Zukunftsvision zieht sich wie ein roter Faden durch Atwoods Œuvre.
Zuletzt erschien (neben ihrer Version von Shakespeares „Sturm“, die den Titel „Hexensaat“ trägt und von der Claus Peymann im Literarischen Quartett sehr angetan war) ihr dystopischer Roman „Das Herz kommt zuletzt”, der mir sehr viel Vergnügen bereitet hat.
Ich gebe zu, dass dieser Roman etwas skurril und abgedreht ist (es werden kopflose Hühner gezüchtet und Sexroboter hergestellt, die wie Elvis Presley aussehen), aber gerade das hat mir sehr gut gefallen. Auf solche Ideen muss man erstmal kommen!

Des Weiteren wird übermorgen der Literaturnobelpreisträger 2017 verkündet und für mich ist Margaret Atwood seit Jahren eine heiße Kandidatin.
Ob sie ihn bekommen wird? Nun ja, man weiß es nicht, zumal wir vor allem in den letzten beiden Jahren mit Swetlana Alexijewitsch und Bob Dylan zwei große Überraschungen erlebt haben.
Bei den britischen Wettanbietern steht neben Margaret Atwood wie immer Haruki Murakami ganz oben auf der Liste. Auch der kenianische Schriftsteller Ngugi wa Thiong’o ist hoch im Kurs, aber das ist auch nichts Neues.

Vor zwei Jahren habe ich darüber spekuliert, werden Literatur-Nobelpreis bekommen könnte und stelle fest, dass diese Liste heute genauso aktuell ist, wie damals.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf Donnerstag und hoffe, dass wir Bücher des betreffenden Schriftstellers vorrätig haben.

Michael Lichtwarck-Aschoff: “Als die Giraffe noch Liebhaber hatte”

In diesem Buch zeigt uns Michael Lichtwarck-Aschoff an vier Beispielen, welch große Rolle der Zufall in der wissenschaftlichen Forschung gespielt hat. Wie zum Beispiel in Form einer offene Käfigtür, oder einem Kochrezept.

Neben Antoine de Lavoisier, Claude Bernard und Louis Pasteur geht der Autor auch auf die Forschungen von Étienne Geoffroy Saint-Hilaire ein, der der Ansicht war, dass die Körper von Wirbeltieren und Wirbellosen einen gemeinsamen Grundbauplan haben.
Daraus folgerte er, dass die Körper aller Lebewesen auf dem gleichen Bauplan basieren.

Es gab Befürworter dieser Theorie, wie zum Beispiel Goethe, aber auch klare Gegner, die die Position vertraten, dass es generell vier grundlegende Baupläne gäbe. Dieser Streit sorgte für großes Aufsehen, wurde in ganz Europa mit Spannung verfolgt und ging in die Geschichte als Pariser Akademiestreit (1830–1832) ein.
Des Weiteren erkannte Étienne Geoffroy Saint-Hilaire, dass Missbildungen bei Wirbeltieren von verschiedenen Umwelteinflüssen ausgelöst werden können.

Welche Rolle jetzt der Zufall bei diesen Entdeckungen gespielt haben mag, das erfahren wir Michael Lichtwarck-Aschoffs Buch.

Danke für diesen Tipp!

Birgit von Sätze & Schätze hat dieses Buch bereits besprochen.

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Ayelet Gundar-Goshen: “Lügnerin”

Als Nuphar geboren wurde, wog sie drei Kilo und die Hebamme meinte, dass sie einmal ein wunderschönes Mädchen werden würde. Daher gab ihr die Mutter den Namen Nuphar, denn Nuphar bedeutet Seerose.
Welch eine Bürde. Nuphar ist zwar nicht häßlich, aber eben auch nicht wunderschön – und für viele unsichtbar.

Sie arbeitet in einer Eisdiele und bedient unter anderem auch Mitschüler, die sie nicht einmal erkennen, obwohl die doch zur gleichen Schule gehen.
Als ein Junge, von dem Nuphar schon den ganzen Sommer träumt, mit seiner Clique die Eisdiele betritt und sie ebenfalls nicht erkennt, ist Nuphar sehr enttäuscht.
Doch der Tag wird ganz anders zu Ende gehen, als sie es erwartet hat. Nuphar wird jemand sein, an den man sich erinnern wird.

Ayelet Gundar-Goshens Roman „Löwen wecken“ ist nicht nur bei uns ein Longseller. Hier geht es um einen Arzt, der bei einer nächtlichen Spritztour einen Mann überfährt und Fahrerflucht begeht.
Ein Buch, das mir gut gefallen hat, doch habe ich später durch das Literarische Quartett einen weiteren Roman mit einer ähnlichen Thematik entdeckt, den ich persönlich stärker fand: „Denen man vergibt“ von Lawrence Osborne.

Vielleicht lag es daran, dass mir von „Löwen wecken“ sehr vorgeschwärmt wurde und meine Erwartungen bezüglich dieses Titels extrem hoch waren. Das ist ja immer schwierig.
Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die handelnden Personen in „Denen man vergibt“ etwas fieser sind, als bei Gundar-Goshen. Ich persönlich mag das ja in der Literatur sehr.
In „Hart auf hart“ von T.C. Boyle zum Beispiel, gibt es keine einzige sympathische Figur. Alles Idioten. Das finde ich super.

Auf der Seite des Verlags steht, dass „Lügnerin“ abgründigstes und unterhaltsamstes Buch Gundar-Goshens sei. Gestern habe ich mit der mit der Lektüre dieses Romans begonnen und schon die ersten Seiten bestätigen diese Aussage.
Ich freue mich sehr aufs Weiterlesen und werde berichten.

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Hang Kang: “Menschenwerk”

Hang Kangs Roman „Die Vegetarierin“ war eines meiner Lieblingsbücher des vergangenen Jahres. Es liest sich wie Murakami auf Speed und ich hatte nach der Lektüre dieses schmalen Bandes das Gefühl, einen umfangreichen Wälzer gelesen zu haben.
Ein kafkaesker Knaller!

Vor ein paar Tagen ist das neue Buch der preisgekrönten Schriftstellerin erschienen.
In „Menschenwerk“ schreibt sie über einen Studentenaufstand in Südkorea, der gewaltsam niedergeschlagen wird.
Dieses Werk liegt schon auf meinem Nachttisch.

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Ottessa Moshfegh: “Eileen”

Eileen arbeitet im Jahr 1964 als Angestellte in einem Jugendgefängnis, in welchem auch mal zu härteren Mitteln gegriffen wird. Sie lebt bei ihrem Vater, einem Alkoholiker, den sie einerseits hasst, sich aber andererseits kein Leben ohne ihn vorstellen kann.
Sich selbst kann sie auch nicht leiden.

Als Rebecca neu als Psychologin im Gefängnis anfängt, ist Eileen von ihrer Schönheit und Eloquenz begeistert – und merkt gar nicht, dass Rebecca nur aus Eigennutz freundlich ist und ganz eigene Pläne hat.
Durchtrieben, düster und schlichtweg großartig.

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Stefanie Sargnagel: “Statusmeldungen”

Stefanie Sargnagels Medium ist das Internet, genauer gesagt Facebook.
Auf ihrem Account schreibt sie über alles Mögliche, über das “einfach Leben”, über Feminismus und Aussichtslosigkeit. Manchmal komisch, manchmal tragisch.
Spiegel-Autor Tobias Becker schreibt, dass Sargnagels Account das Titanic-Abo ersetze – sie sei eine “One-Woman-Satireshow”.
Der Verlag bezeichnet ihren Stil als Mischung zwischen Christine Nöstlinger und Heinz Strunk.
Das klingt gut!

Beim Bachmann-Wettbewerb in diesem Jahr bekam Stefanie Sargnagel den Publikumspreis und Rowohlt hat ihre “Statusmeldungen” inzwischen in Buchform herausgebracht.
Da werde ich gleich einmal hineinlesen.

» Der Spiegel: Stefanie Sargnagel im Portrait

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Leila Slimani: “Dann schlaf auch du”

Myriam und Paul haben alles, was sie brauchen. Sie sind jung, hip, leben in Paris und bekommen gerade das zweite Kind. Doch am besten wäre es, wenn das Leben genauso weiterginge, wie vor der Geburt der Kinder.
Dass dies nicht funktioniert, muss vor allem Myriam feststellen. Mit zwei Kindern ist eben alles anstrengender, als mit einem, oder keinem.

Daher stellen die beiden eine Nanny ein, was gar nicht so einfach ist, denn es melden sich viele Frauen, die keine Papiere haben. Das möchte Myriam nicht. Bei Handwerkern, oder Putzkräften wäre das ja kein Problem, aber was ist, wenn das Kind mal ins Krankenhaus muss und die Nanny sich aufgrund der fehlenden Papiere nicht traut dieses aufzusuchen?
Schließlich finden sie Louise. Die perfekte Louise, welche es ihnen ermöglicht so zu leben, wie vor der Geburt der Kinder. Aber zu welchem Preis?

Leila Slimani hat für diesen Roman den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs bekommen, den Prix Goncourt.
Mir hat „dann schlaf auch du“ sehr gut gefallen und ich finde es großartig, dass in Frankreich ein Spannungsroman die höchste literarische Auszeichnung des Landes erhalten kann.

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Juli Zeh: “Leere Herzen”

Babak Hamwi und Britta Söldner haben zusammen eine Firma gegründet, die sie reich gemacht hat: “Die Brücke”. Was genau in dieser Firma geschieht, weiß eigentlich niemand – zum Glück!
So ganz sauber scheint die ganze Sache nicht zu sein, denn das Geschäftsmodell der beiden hat etwas mit dem Tod zu tun.
Doch die Konkurrenz schläft nicht…

Juli Zehs Romane “Unterleuten” und “Treideln” habe ich mit Begeisterung gelesen. Letzteren sogar zweimal und das passiert mir sehr selten.
Daher freue ich mich auf ihren neuen Politthriller “Leere Herzen”, der am 13.11.2017 erscheinen wird.

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6 thoughts on “Der Literatur-Spiegel zur Frankfurter Buchmesse 2017 – Meine Highlights
Birgit

Oh schön, dass Du auch die Giraffe entdeckt hast – das ist wieder so ein feines Buch aus einem kleineren Verlag, das ansonsten ein wenig kurz kommt. Ich mag diese klugen, feinsinnigen Erzählungen sehr.
Und flutsch habe ich von Deiner Liste schon das Buch von Juli Zeh notiert – da bin ich sehr gespannt.

    Friederike

    Ich auch!!!

Marina

Liebe Friederike,

von Slimani war ich ja enttäuscht. Auf Menschenwerk von Han Kang bin ich auch sehr gespannt. Und Gundar-Goshen habe ich auch gestern angefangen und fand die Sprache gleich richtig klasse.
Viele Grüße
Marina

Anne

Liebe Friederike,
na, habt Ihr genügend vorrätig von Kazuo Ishiguro?
Ich freue mich über den Preis an diesen Autor.
Für mich ist er auch ein Anlaß, mehr von ihm zu lesen.
„Was vom Tage übrig blieb“ kannte ich erst als Film, bevor ich das Buch las.
Und „Alles, was wir geben mussten“ ist sehr subtil geschrieben und hatte mich noch lange beschäftigt.
Schöne Grüße von Anne

    Friederike

    Liebe Anne,

    also ein paar Bücher hatten wir da und von „Der begrabene Riese“ sogar einen kleinen Stapel!
    Da habe ich mich sehr gefreut.
    „Alles was wir geben mussten“ fand ich auch toll und unbedingt lesen möchte ich schon seit langem „Damals in Nagasaki“.
    Vielleicht ist es jetzt ja an der Zeit :).

    Viele Grüße,
    Friederike

Pingback: Das literarische Sonntagsfrühstück: #4/2017 – Die Leserin

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